Ist Papier Verpackung besser als Plastik?

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Über eine Fläche von mindestens 700.000 Quadratkilometern schwimmt der Great Pacific Garbage Patch im pazifischen Ozean zwischen Japan und Nordamerika. Eine unbeschreibliche Menge an Müll, der im Meer schwimmt. Das Problem des Plastiks ist allerdings nicht nur die große Menge, in der es vorkommt. Die Eigenschaft, sich in immer kleinere Teile zu zerlegen, statt sich aufzulösen, ist ein gewaltiges Problem. Global 2000 gibt an, dass 150 Millionen Tonnen Plastik in unseren Meeren schwimmen. Aktuell kommt jede Minute die Menge eines ganzen Müllwagens dazu. Das summiert sich im Jahr auf 12 Millionen Tonnen. Ein großer Teil dieses Plastik liegt als Mikroplastik vor und gelangt so sehr leicht in unsere Nahrungskette. Plastik als flexibler und billiger Werkstoff findet Anwendung in fast jedem Lebensbereich. Besonders unangenehm ist aber der Sektor Verpackungen. Hier wird das Plastik nur sehr kurz verwendet und gelangt anschließend in den Müll. Plastiktüten sind lt. Statistik nur 25 Minuten im Einsatz. Aber ist Papier Verpackung besser als Plastik?

Klimawandel

Dass unsere Umwelt ein Umdenken nötig hat ist dem überwiegenden Teil der Menschen heute bewußt. Wir nutzen nicht nur die Energiereserven unseres Planeten aus, sondern produzieren auch zu viel Treibhausgase, die dazu führen, dass die Durchschnittstemperatur auf der Erde steigt. Umweltschutz ist der Menschheit seit etwa 60 Jahren ein Anliegen. Nachdem im Mittelalter und der Antike zwar auch Müll produziert und die Umwelt negativ beeinflusst wurde, hat die industrielle Revolution Umweltschäden in völlig neuen Dimensionen mit sich gebracht. Auch die immer größer werdenden Städte sind eine große Belastung für die Natur im unmittelbaren Umfeld. Mit den 1960ern begannen rund um das Thema Waldsterben das Bewußtsein für die Notwendigkeit von Umweltschutz. Seitdem gibt es immer wieder konkrete Probleme, die im Fokus des Umweltschutz stehen. 1971 wurde Greenpeace gegründet und arbeitet heute in 45 Ländern mit etwa 3 Millionen fördernden Mitgliedern für den Umweltschutz.

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Bereits die dritte Generation ist aktiv mit aktuellen Themen rund um den Umweltschutz beschäftigt

Verpackung

Gegenüber den 1960ern hat sich viel zum Positiven verändert. Das Bewußtsein über die Auswirkungen unserer Handlungen und das allgegenwärtige Thema Umwelt sorgen heute für ein verantwortungsbewußtes Verhalten. Zumindest ist uns bewußt, dass wir in vielen kleinen Entscheidungen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können. In einem Bereich gibt es allerdings nach wie vor massiven Aufholbedarf. Das ist der Bereich der Verpackung. Einmal abgesehen von Weihnachten, oder Geburtstagen, an denen wir Tonnen von bunt bedrucktem Papier für wenige kurze Momente einsetzen um sie anschließend direkt in den Müll zu werfen. Auch im Alltag sind Verpackungen für uns allgegenwärtig und wichtig. Sie erfüllen mehrere Zwecke, dienen aber in erster Linie dem Schutz der Waren. So gibt es beispielsweise Salatgurken, die in Plastik eingeschweißt sind. Die Experten sind sich dazu nicht einig. Einerseits bedeutet das natürlich unnötigen Verpackungsmüll. Andererseits kann man damit die Haltbarkeit der Salatgurke erhöhen und verhindern, dass sie verderben, bevor sie verkauft werden.

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Plastik ist in unseren Meeren allgegenwärtig und gelangt von dort in die Nahrungskette

Transport

Die Verpackung ist allerdings auch in einem anderen Bereich sehr wichtig. Im Transport ist eine Umverpackung notwendig. Das zeigt sich auf der einen Seite in den 8,1 Millionen Tonnen von Kartons, die 2016 angefallen sind. Versandhandel und Paketzustellungen leisten einen großen Beitrag zu diesem Müllberg. Vergleichsweise klein macht sich die Menge an Plastik aus. 3,1 Millionen Tonnen waren es, lt. Umweltbundesamt, 2016 in Deutschland. Ein Teil der Kunststoffe kann recycled werden. Dazu ist aber eine Sortierung in die verschiedenen Arten von Kunststoff erforderlich. Ein Teil wird unverändert verbrannt. Es gibt auch bereits Anlagen, die aus Kunststoff wieder Erdöl und ein Gas herstellen. Während im Warentransport heute Karton, also Papier überwiegt, hatte bis vor kurzem Plastik noch die Nase vorne, wenn es um den Transport eines Einkaufs nach Hause ging. Plastiktüten waren lange Zeit der Standard und nach einer extrem kurzen Nutzungszeit führte man die Tüte dem Restmüll, oder heute dem dualen System zu.

Tragetaschen

Plastiktüten haben heute einen geringeren Marktanteil. Große Hersteller, wie HUTNER bieten überwiegend Tragetaschen aus Papier an. Das Material hat gegenüber dem Plastik einen großen Vorteil. Es kann sehr einfach recycelt werden. Außerdem beeinträchtigt es unsere Gesundheit nicht, indem es in unsere Nahrungskette gelangt, sondern ist biologisch abbaubar. Dass wir in einem Laden überhaupt erst zu einer Tragetasche greifen ist allerdings nicht unbedingt erforderlich. Zwar gehört es in vielen Branchen noch immer zum Standard hochwertige Tragetaschen einzusetzen und die Ware in einer passend bedruckten Tüte zu übergeben, aber für den täglichen Einkauf gibt es keine Notwendigkeit auf Einwegtaschen zurückzugreifen. Eine Statistik über die Anzahl der nur einmal verwendeten Kunststofftragetaschen belegt, dass Deutschland mit 64 Stück jährlich auf Platz 6 liegt. Während die baltischen Staaten, Ungarn, Slowenien, die Slowakei, Polen und Portugal mit 466 einmal verwendeten Plastiktüten pro Jahr die letzten Plätze belegen, führen das Ranking in der EU Dänemark und Finnland an. In beiden Ländern werden nur 4 Plastiktüten pro Person einmal verwendet.

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Selbst die Verpackung aus Jute wird erst dann umweltfreundlich, wenn man sie häufig verwendet

Papier, oder Plastik

Die Papiertragetasche gewinnt immer mehr an Beliebtheit und wird als umweltfreundliche Alternative bevorzugt gekauft. Die Vorteile im Recycling bestätigen diesen Trend, allerdings gibt es auch zu den Papiertüten negative Stimmen. Während eine Plastiktüte wasser- und reißfest ist, nehmen Papiertüten leicht Schaden, wenn man sie mit punktuell belastet, oder sie naß werden. Ist das Papier einmal an einer Stelle beschädigt reißt die gesamte Tüte auf und kann nur noch entsorgt werden. Die Haltbarkeit ist insgesamt geringer, als bei der Plastiktüte, die extrem platzsparend zusammengeknüllt verstaut werden kann und trotzdem ihre Stabilität behält. Die Papiertüte wird instabil, wenn man sie häufig faltet. Aber auch in Punkto Ökobilanz schneidet die Papiertüte schlechter ab, als man es als Verbraucher erwartet.

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Herstellung aus Recyclingmaterialien, möglichst lange Verwendung und schließlich neuerliches Recycling sind Faktoren für Umweltschutz und positive Ökobilanz

Ökobilanz

Die Herstellung von Papier ist sehr energieaufwändig. Zellstoff, Unmengen an Wasser und viel Energie muss aufgewendet werden um Papier herzustellen. Dazu kommen Chemikalien, die Umwelt belasten. Da Papier weniger widerstandsfähig ist, wie Plastik, ist eine Papiertragetasche etwa dreimal zu schwer, wie ein Plastiktüte. Also muss mehr Material und damit mehr Energie aufgewendet werden um eine Papiertragetasche herzustellen. Verwendet man die Plastik- und Papiertragetasche gleich häufig, dann hat die Papiertragetasche die schlechtere Ökobilanz. Bedenkt man, dass das Papier nicht so häufig wiederverwendet werden kann, wie Plastik wirkt sich zusätzlich negativ für die Ökobilanz der vermeintlich umweltfreundlicheren Papiertragetaschen aus. Was tatsächlich den Unterschied macht, ist die Tatsache, dass Plastik mehrere Hundert Jahre braucht, bis es abgebaut ist und bis dahin zum Teil als Mikroplastik die Umwelt, die Tiere und den Menschen belastet.

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Für wiederverwendbare und leicht zu verstauende Taschen gibt es viele Lösungen

Umweltfreundliche Tragetasche

Dass eine Plastiktüte umweltfreundlicher ist, als eine Papiertüte ist auf jeden Fall überraschend. Es ist aber ein weiteres Beispiel dafür, dass bei der Beurteilung der Umweltverträglichkeit immer ein Gesamtbild notwendig ist. Allerdings kann man die Umweltbilanz einer Tragetasche dramatisch verbessern. Dazu ist es lediglich erforderlich, sie über einen sehr langen Zeitraum zu verwenden. Wer also zu jedem Einkauf seine Plastiktragetasche, oder auch die Papiertragetasche mitbringt, der schützt aktiv die Umwelt. Weitere Punkte, die man bei Plastik- und Papiertragetaschen bedenken muss, sind die Herstellung aus Recyclingmaterial und die Entsorgung über die Wertstoffsammlung. Egal aus welchem Material die Tüte hergestellt wurde, wenn es wiederverwendete Materialien waren, schont das die Umwelt. Genauso darf sie nicht in den Restmüll gelangen sondern muss im Rahmen der Mülltrennung der korrekten Wertstoffsammlung zugeführt werden. Damit kann das Material im besten Fall wieder verwertet werden und so neue Rohstoffe sparen.

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Wer ein Leben lang mit einer Baumwolltasche auskommt hat alles richtig gemacht

Faktor Nutzungsdauer

Zusammenfassend ist allerdings ein Faktor für die Ökobilanz einer Tragetasche entscheidend. Je häufiger die Tragetasche verwendet wird, desto umweltfreundlicher wird sie. Dass hier Tragetaschen aus haltbaren Materialien bessere Chancen haben, als Papier, oder Plastik liegt auf der Hand. Wer eine Baumwolltasche kauft und nur für einen einzigen Transport nach Hause verwendet, der schont damit die Umwelt nicht. Erst, wenn ich dieselbe Tasche über Monate, oder Jahre verwende, leiste ich einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz. Ob die Tragetasche aus nonwoven, also Polypropylen Vlies, Baumwolle, Jute, oder einem anderen Material hergestellt ist, ist dabei tatsächlich völlig egal. Tragetaschen aus Recyclingmaterial, eine lange, im Idealfall, lebenslange Nutzung und eine getrennte Entsorgung in der Wertstoffsammlung sind also die Faktoren für eine umweltfreundliche Tragetasche.

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